Wie funktioniert die Börse? Einfach erklärt für Anfänger

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Aktien, Fonds, Zertifikate – längst hat sich die Börse geöffnet und ermöglicht auch privaten Anlegern den selbstständigen Wertpapierhandel. Dennoch sind die Deutschen eher zögerlich, wenn es um Investitionen in Aktien geht. Das liegt hauptsächlich am fehlenden Vertrauen, da die Börsenwelt in den Augen vieler als Spielplatz skrupelloser Spekulanten gesehen wird. Ein lückenhaftes Wissen über finanzielle Zusammenhänge und das allgemeine Börsengeschehen verstärken diese Ansichten noch.

Brechen Sie aus diesem Kreislauf aus! Erweitern Sie mit uns Ihren Horizont und erfahren Sie die wichtigen Fakten rund um das Börsengeschehen. Wir klären auf, wie die Börse funktioniert und was Sie wirklich vom Trading erwarten können. Mit unseren nützlichen Tipps und Hinweisen sind Sie als Investment-Anfänger gut gerüstet für Ihre ersten Schritte auf dem Börsenparkett.

Wie funktioniert die Börse? Die Grundlagen einfach erklärt

Was ist die Börse?

Zu wissen, was eine Börse genau ist, hilft die Regeln und Abläufe innerhalb der Handelsplätze zu verstehen. Beginnen wir mit der im Gesetz festgelegten (und wirklich trockenen) Definition: Laut § 2 des deutschen Börsengesetzes (BörsG) sind Börsen

„teilrechtsfähige Anstalten des öffentlichen Rechts, die nach Maßgabe dieses Gesetzes multilaterale Systeme regeln und überwachen, welche die Interessen einer Vielzahl von Personen am Kauf und Verkauf von dort zum Handel zugelassenen Wirtschaftsgütern und Rechten innerhalb des Systems nach nichtdiskretionären Bestimmungen in einer Weise zusammenbringen oder das Zusammenbringen fördern, die zu einem Vertrag über den Kauf dieser Handelsobjekte führt.“

Dies ist ein ziemlich langer Satz, der vielen Anfängern zu Beginn Kopfzerbrechen bereiten kann. Aber was bedeutet diese Definition genau? Zerlegen wir diese Definition im „Beamten-Deutsch“ in logische Abschnitte und betrachten diese genauer, werden die wichtigen Aspekte einer Börse schnell klar:

1. Teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts

Eine Börse dient einem öffentlichen Zweck für seine Nutzer. Als öffentliche Einrichtung besitzt sie zudem Rechte und Pflichten – sie kann also sowohl Kläger als auch Angeklagter in gewissen Fällen sein.

2. Regelung und Überwachung multilateraler Systeme

Multilaterale Systeme meinen nichts anderes, als dass sich entsprechend gewisser Regeln mehrere Parteien gegenüberstehen.

Im Falle der Börse sind das verschiedene Herausgeber von Wertpapieren (etwa AGs, Fonds- oder Kapitalgesellschaften), sowie viele Käufer und Verkäufer, die in diversen und sich wechselnden Handelsbeziehungen zueinander stehen können. Die Börse bestimmt dabei den Zugang und die Abläufe.

3. Dort zum Handel zugelassene Wirtschaftsgüter und Rechte

An einer Börse kann nicht alles gehandelt werden. Zum einen gibt es für jede Handelsware einen spezialisierten Handelsplatz – etwa Wertpapier-, Devisen- oder Rohstoffbörsen. Zum anderen ist der Handel standardisiert, damit er immer fair und transparent stattfinden kann. Dazu müssen die Wertpapiere an den jeweiligen Lokal- oder Spezialbörsen anhand einheitlicher Kriterien zugelassen werden. Erst dann stehen sie für die Allgemeinheit zum Kauf und Verkauf zur Verfügung.

4. Nach nicht diskretionären Bestimmungen

Hierunter versteckt sich nichts anderes, als dass Börsen keinen Nutzer eigenmächtig bevorzugen oder behindern dürfen und alle Käufer und Verkäufer über neutrale Handelssysteme absolut gleich behandeln müssen.

5. Interessen von vielen Personen am Kauf und Verkauf zusammenbringen

Interessen meinen im Börsenkontext, die gewünschten Wertpapiere zu einer bestimmten Menge und einem bestimmten Preis zu kaufen bzw. zu verkaufen. Die Börsen bieten hierbei die – meist elektronische – Plattform, um diese Interessen in Form von Angebot und Nachfrage in Echtzeit gegenüberzustellen.

6. Vertrag über den Kauf der Handelsobjekte

Ähnlich einem Kaufbeleg beim täglichen Einkaufen werden auch Transaktionen an der Börse – meist elektronisch – vertraglich festgehalten.

Zusammenfassend lässt sich die Frage „Was ist eine Börse“ so beantworten: Eine Börse ist

  • ein offener, organisierter und nach festen Regeln und Gesetzen operierender Marktplatz,
  • an dem sich Herausgeber, Käufer und Verkäufer von Wertpapieren gleichberechtigt gegenüberstehen,
  • Wertpapiere, Rohstoffe, Devisen und andere Finanzprodukte untereinander an der Börse handeln können,
  • und die Preise über Angebot und Nachfrage bestimmen.

Welche Börsen gibt es überhaupt?

Obwohl alle deutschen Börsen den gleichen Gesetzen unterworfen sind, bietet jeder Handelsplatz sein ganz eigenes Handelsangebot.

Welche Wertpapiere genau ge- und verkauft werden können, hängt hauptsächlich von der Börsenart und -form ab. Allgemein wird zwischen diesen vier Arten unterschieden:

1. Wertpapierbörse

Wertpapier– oder Effektenbörsen sind die unter Privatanlegern wohl bekannteste Börsenart. Hier werden Wertpapiere wie Aktien, Fonds und ETFs, Anleihen oder Derivate gehandelt.

2. Terminbörse

Terminbörsen sind eine Spezialform im Wertpapierhandel. Denn nur diese sind berechtigt, den Handel mit Termingeschäften wie Futures und Optionen anzubieten.

3. Warenbörse

Um physische Güter handeln zu können, werden dafür spezialisierte Warenbörsen benötigt.

Hier werden die Waren meist in Form von Future-Kontrakten gehandelt, die die Parteien dazu verpflichten, eine fest definierte Menge zu einem definierten Preis und Zeitpunkt zu kaufen bzw. zu verkaufen. Dies betrifft vor allem Produkte, die sich nicht so einfach transportierten und lagern lassen, wie Erdgas und Rohöl, aber auch Strom oder große Mengen an Kakao oder Getreide.

4. Devisenbörse

Währungen werden im Kassageschäft meist direkt zwischen Finanzinstituten gehandelt. Auch Termin- und Optionsgeschäfte mit Devisen sind möglich. Für Privatinvestoren kommen vor allem Derivate auf Devisentermingeschäfte in Frage, also in Form von CFDs bei einem Forex Broker.

Um diese verschiedenen Wertpapiergeschäfte zu realisieren, bedarf es ein entsprechendes Handelssystem. Klassisch wurden Aktien und co. an Parkettbörsen gehandelt. Dabei sind Broker selbst auf dem Börsenparkett zugegen und übermitteln die Geschäfte ihrer Kunden – ganz im Stil, wie man es aus älteren Hollywood-Filmen kennt.

Mit zunehmender Digitalisierung, die bereits in den 90er Jahren begann, wurde dieser Handel mit „Anwesenheitspflicht“ immer weiter verdrängt. Viele Lokalbörsen sowie die Leitbörse Frankfurt realisieren alle Transaktionen nur noch über Computerprogramme.

Daneben entwickelten die Börsenhäuser eigene Handelssysteme, mit denen Privatanleger über ihre Bank oder ihren Online-Broker selbst direkt Orders an den Börsen platzieren können. Die bekanntesten Beispiele sind dabei Xetra von der Frankfurter Börse oder gettex der Börse München.

Wie sieht die Börsenlandschaft konkret in Deutschland aus?

In der Bundesrepublik hat sich das Bild in den letzten Jahrhunderten radikal geändert. Viele Lokal- und Warenbörsen wurden durch globale Entwicklungen obsolet, durch die Weltkriege zerstört oder fusionierten miteinander. Heute existieren noch

  • 7 relevante Lokalbörsen: Die Börse Frankfurt als Leitbörse, sowie die Börsen Berlin, Hamburg, Hannover, Düsseldorf, Stuttgart und München
  • eine vollwertige digitale Börse: Tradegate Exchange
  • zwei Terminbörsen: Eurex und Euwax
  • eine Energiebörse: EEX (European Energy Exchange)
  • 4 relevante digitale Handelsplätze: Xetra, LS Exchange, Quotrix und gettex
  • Vereinzelte Warenbörsen wie die Getreide- oder Versicherungsbörse in Hamburg

Was wird an der Börse gehandelt?

Es wurde weiter oben bereits ersichtlich: Es gibt nicht nur verschiedene Börsen, sondern auch unterschiedliche Finanzprodukte, die an diesen gehandelt werden können. Die verschiedenen Anlagemöglichkeiten – auch Asset-Klassen genannt – unterteilen sich in 6 Kategorien:

I. Aktien

Aktien sind verbriefte Beteiligungen an einem Unternehmen. Sie werden zu einer festen Stückzahl und einem von der AG bestimmten Einstandskurs emittiert.

Wollen Sie eine oder mehrere Aktien des Unternehmens in Ihr Aktiendepot aufnehmen, müssen Sie den aktuell geltenden Kurswert an der Börse bezahlen und werden so zum Miteigentümer bzw. zum Aktionär.

Durch diese Anteile erhalten Sie als Inhaber bestimmte Rechte – können etwa an Hauptversammlungen teilnehmen und dort Ihr Stimmrecht geltend machen. Doch warum geben Unternehmen Aktienpapiere heraus? Es ist neben Krediten eine Form der Kapitalbeschaffung.

Jede Neuemission (Herausgabe neuer Unternehmensaktien) steigert das Eigenkapital des Unternehmens.

II. Anleihen

Anleihen dienen ebenfalls der Kapitalbeschaffung. Im Gegensatz zu den Anteilspapieren sind sie aber festverzinsliche Wertpapiere (auch Schuldverschreibungen oder Renten genannt). Es handelt sich genaugenommen um einen öffentlichen Kredit mit definierter Laufzeit, Währung und Zinshöhe.

Sie als Inhaber erhalten das Recht auf Rückzahlung des gesamten Betrages sowie einer vorher vereinbarten (variablen oder festen) Zinszahlung. Anders als bei Aktien werden Sie aber kein Miteigentümer, sondern Gläubiger.

Ein weiterer Unterschied zu Aktien: Anleihen werden nicht nur von Unternehmen, sondern auch von staatlichen Institutionen herausgegeben. Damit können Anleger aus einer großen Palette an Unternehmens- und Staatsanleihen wählen.

III. Fonds

Investmentfonds werden von Fondsmanagern betreut. Dabei handelt es sich nicht um ein für sich alleinstehendes Wertpapier wie eine Aktie oder eine Anleihe, sondern der Fonds investiert das Geld seiner Anleger in mehrere Wertpapiere.

Dadurch wird eine breite Streuung erreicht und es können ganze Märkte oder Sektoren abgebildet werden. Zudem profitieren Sie als Investor von der Kurssteigerung und möglichen Dividendenzahlungen der enthaltenen Aktien.

Auch in anderen Punkten unterscheiden sich Fonds von anderen Wertpapieren:

  • Fonds werden von Fondsgesellschaften herausgegeben.
  • Das investierte Geld ist Sondervermögen und damit bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt.
  • Für den Fondskauf werden keine Orderkosten, sondern einen einmaligen Ausgabeaufschlag verlangt.
  • Zusätzlich fallen jährlich Verwaltungsgebühren an.

IV. Börsengehandelte Produkte

Unter den börsengehandelten Produkten verbirgt sich eine Auswahl an verschiedenen Finanzinstrumenten, die passiv gemanagt werden und damit besonders günstige Verwaltungsgebühren besitzen.

Wie der Name bereits vermuten lässt, werden diese ETPs (Exchange Traded Products) wie Aktien auch täglich an den Börsen gehandelt. Genau genommen bilden ETPs die Wertentwicklung anderer Assets, wie Aktien, Indizes, Rohstoffe, Währungen oder Zinssätze ab. Ziel dabei ist immer, die Wertentwicklung so genau wie möglich nachzubilden.

Hier liegt der große Vorteil der börsengehandelten Produkte: Ihre Wertentwicklung ist auch für Laien leicht nachvollziehbar.

Zu den ETPs gehören:

  • ETFs: Exchange Traded Funds sind börsengehandelte Indizes. Sie bilden aber nicht nur Indizes, sondern auch ganze Branchen oder ein bestimmtes Thema nach. Der ETF bildet also die Kursentwicklung eines Index wie dem DAX ab. Dabei kann er die Zusammenstellung 1:1 vornehmen, also alle Aktien der im Index vorhandenen Unternehmen aufnehmen (physische Replikation). Oder der ETF bildet den Indexkurs künstlich mit indexfremden Wertpapieren ab, die in Summe aber den gleichen Kurswert erreichen (synthetische Replikation). Ein ETF zählt zum Sondervermögen und ist damit im Insolvenzfall der Kapitalgesellschaft geschützt.
  • ETNs: Exchange Traded Notes bilden Währungen nach. Sie sind Schuldverschreibungen und genießen somit nicht den Schutz eines Sondervermögens.
  • ETCs: Auch Exchange Traded Commodities sind Schuldverschreibungen, funktionieren aber ähnlich wie ETFs. Allerdings bilden Sie einzelne Rohstoffe oder einen Rohstoffindex ab. Damit sind sie für Privatanleger eine gute Alternative zu hochriskanten Terminkontrakten und ermöglichen den Handel mit Rohstoffen, ohne dass Sie diese tatsächlich besitzen müssen.

V. Derivate

Derivate sind hochkomplexe Anlageprodukte und daher nicht für unerfahrene Anleger geeignet. Ihr jeweiliger Wert wird von einem Basiswert abgeleitet – daher die Bezeichnung Derivat. Seine Preisentwicklung ist also abhängig von anderen Finanzprodukten.

Im Gegensatz zu ETFs versucht ein Derivat aber nicht, seinen Basiswert genau abzubilden, sondern ihn überproportional nachzuvollziehen. Dadurch eignen sich Derivate hervorragend zur Absicherung vor Wertverlusten in anderen Finanzgeschäften, wird aber auch sehr gerne zur Spekulation genutzt. Doch auf welchen Werten können Derivate basieren? Die Möglichkeiten sind vielfältig:

Derivate werden börslich und auch außerbörslich gehandelt, wobei die Ausgestaltung im Außerbörslichen für die Market Maker komplett frei ist.

Wie bereits erwähnt ist der Handel hoch spekulativ. Dies liegt vor allem auch an der Hebelwirkung, die Derivaten innewohnt: Mit dem Hebeleffekt werden mit einem kleinen Kapitaleinsatz wesentlich höhere Kapitalbeträge bewegt, was wiederum höhere Gewinn- und Verlust Chancen bedeutet.

Neben dem rein spekulativen Charakter werden Derivate aber auch zur Risikoabsicherung vor allem im Forex- und Rohstoffhandel genutzt – man spricht hier von Hedging.

Doch welche Derivat-Arten gibt es genau? Die Wichtigsten sind:

Zertifikate

  • Schuldverschreibungen
  • Im Gegensatz zu Anleihen aber keine festen Zinsen
  • Bezug zum Basiswert unterschiedlich
  • Offene oder feste Laufzeiten

Futures

Futures stellen die ersten jemals getätigten Termingeschäfte dar. Landwirte und Exporteure sicherten sich ab, indem Sie mit den Käufern einen in der Zukunft liegenden Kauftermin für eine bestimmte Warenmenge und zu einem bestimmten Kaufpreis festlegten. Dieser Terminkontrakt war für beide Parteien bindend. Auch heute werden Futures nach diesem Prinzip gehandelt.

Durch die beidseitige Verpflichtung zur Vertragseinhaltung spricht man auch von bedingten Termingeschäften. Futures werden oft für den Rohstoff- und Edelmetallhandel genutzt.

Optionen und Optionsscheine

Optionen sind bedingte Termingeschäfte. Dabei verpflichtet sich der Anbieter, eine bestimmte Ware zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem festgelegten Preis zu kaufen bzw. zu verkaufen – ungeachtet des dann geltenden Kurswerts des Basiswertes.

Der Käufer hingegen besitzt die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, dieses Recht in Anspruch zu nehmen oder nicht. Daher spricht man auch von einem bedingten Termingeschäft. Wird eine Option als Wertpapier verbrieft, spricht man von Optionsscheinen.

Differenzkontrakte (CFDs)

Die immer beliebteren CFDs basieren zum Großteil auf Futures und erlauben so Privatanlegern, mit kleinen Einsätzen am großen Weltmarkt mitzumischen. Differenzkontrakt daher, weil die Ordergebühr bei CFD Brokern über den Spread – also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis – realisiert wird.

Auch CFDs sind Hebelprodukte, für die eine verhältnismäßig niedrige Margin als Sicherheitsleistung hinterlegt werden muss.

Swaps

Swaps sind entsprechend dem Namen Tauschgeschäfte von Forderungen oder Verbindlichkeiten. Im Grunde handelt es sich um einen vertraglich festgelegten Austausch von zukünftigen Zahlungsströmen – etwa Zinsen oder Währungen. Swaps werden außerbörslich gehandelt.

VI. Rohstoffe

An spezialisierten Warenbörsen werden Rohstoffe, Edelmetalle, landwirtschaftliche Produkte und andere physische Güter gehandelt. Eine der wichtigsten Warenbörsen Deutschlands ist in Hamburg beheimatet, was auf den bereits weit in die Vergangenheit zurückgehenden Warenimport per Schiff zurückgeht.

Rohstoffe werden in der Regel aber nicht physisch, sondern als Wertpapier verbrieft gehandelt. Häufigste Form dabei sind Future-Kontrakte über Terminbörsen.

Privatanleger können aber auch über entsprechende ETFs, Optionen, Zertifikate oder CFDs am Rohstoffhandel teilnehmen. Dabei besitzen Sie die Güter selbst aber nicht, sondern partizipieren nur an deren Kursentwicklung.

Wer handelt an den Börsen?

Die Börsenplätze bringen Geldnehmer (Unternehmen, Staaten, Emittenten) und Geldgeber (Investoren) zusammen. Doch nicht jede Person kann direkt an der Börse Orders ausführen. Wer also übermittelt die Trades?

Broker

Für den physischen Parketthandel übernehmen das seit jeher lizenzierte Broker bzw. Börsenmakler.

Als Dienstleister stellen sie das Bindeglied zwischen Anlegern und der Börse dar. Denn Privatpersonen können nicht direkt an den Börsen handeln, sondern müssen ihre Kauf- und Verkaufsabsichten über einen Börsenmakler realisieren.

Mit der Bezeichnung Broker ist heute weniger eine Person an der Börse gemeint. Vielmehr versteht sich darunter ein Online-Dienstleister, der über seine Plattform ein digitales Depot sowie eigene oder fremde Handelssoftware für den individuellen Wertpapierhandel zur Verfügung stellt.

Investoren

Mit dem Launch des elektronischen Handelssystems Xetra und der stetigen Digitalisierung der Börsen wird der Parketthandel immer weiter verdrängt.

Viele Börsen haben komplett auf (eigene) elektronische Systeme umgestellt oder nutzen den Parketthandel nur noch für Aktien kleinerer lokaler Unternehmen. Somit verlieren auch Börsenmakler langsam ihre Bedeutung. Anleger können längst selbst über ihr Onlinedepot bzw. das Junior Depot ihrer Kinder Orders an den meist digitalisierten Börsenplätzen abgeben.

Die Weiterverarbeitung an der Börse erfolgt dann voll automatisiert über das dort genutzte Computerprogramm. Ein Makler ist hier nicht mehr notwendig.

Unternehmen und öffentliche Institutionen

Unternehmen und öffentliche Organe, die Aktien und Anleihen über die Lokalbörsen emittieren, stellen den dritten Teil der handelnden Akteure an der Börse dar. Sie sind die Kapitalnehmer und versorgen sich über die eigenen Wertpapiere mit neuem Kapital.

Im Gegensatz zu den Investoren benötigen sie aber nicht zwangsläufig einen Vermittler auf dem Handelsparkett. Um neue Aktien zu zeichnen (also frische Unternehmensanteile auf den Markt zu bringen), können Sie sich direkt an die Börsenverwaltung wenden, die nach strenger Prüfung verschiedener Kriterien die Wertpapiere zum Handel zulässt.

Was passiert an der Börse?

Die Börse ist der Knotenpunkt für den Wertpapierhandel. Ähnlich zum klassischen Marktplatz können Käufer aus dem Angebot verschiedener Händler das für sie passende wählen.

Als Händler agieren dabei neben Unternehmen und staatlichen Institutionen auch Fonds- und Finanzgesellschaften sowie Eigentümer von Wertpapieren, die diese wieder verkaufen wollen.

Doch was macht die Börse genau? Wir stellen ihre verschiedenen Funktionen kurz vor!

Bereitstellung der Handelssoftware

Zu den wichtigsten Aufgaben der Börse gehört vor allem, den Wertpapierhandel technisch und logistisch zu ermöglichen.

Wurden früher die Orderaufträge ausschließlich von Börsenmaklern auf dem Handelsplatz weitergereicht, werden Privatanlegern heute elektronische Softwarelösungen der Börsen zur Seite gestellt, um selbst über den Online Broker bzw. die Depotbank Kauf- und Verkaufsaufträge zu platzieren.

Dabei bieten die meisten Handelsplätze ihre eigene Handelssoftware:

  • Frankfurter Börse: Xetra
  • Börse München: gettex
  • Börse Düsseldorf: Quotrix
  • Lang und Schwarz AG: LS Exchange
  • Parketthandel der Börsen Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München: Xontro
  • Parketthandel der Börse Stuttgart: Xitaro

Generell ist der Wertpapierhandel weitestgehend digitalisiert. Der Parketthandel, wie man ihn aus Film und Fernsehen kennt, wird hauptsächlich noch für kleine und mittelständische Unternehmensaktien praktiziert.

Einige Regionalbörsen wie Stuttgart oder Hamburg realisieren ihren Parketthandel über eine Handelssoftware, die zwar alle Orders vollelektronisch durchführt, aber weiterhin von Börsenmaklern betreut wird. Selbst der Handel an der Frankfurter Börse wird ausschließlich elektronisch durchgeführt.

Vor allem durch die Digitalisierung der Börsen finden Käufer und Verkäufer immer flexibler und schneller zusammen. Sogar der internationale Handel an ausländischen Börsen wie der New York Stock Exchange (NYSE) ist für deutsche Anleger mit dem passenden Broker ohne Probleme möglich.

Zusammenbringen von Käufer und Verkäufer

Die technischen Systeme der Börsen führen Emittenten sowie Käufer und Verkäufer von Wertpapieren in Echtzeit zusammen.

Interessierte Investoren definieren, welche Wertpapiere sie zu welcher Stückzahl und welchem Preis kaufen wollen. Das Handelssystem der Börsen matcht diese Kaufaufträge mit dem dazu passenden Verkaufsangebot.

Findet sich zu diesen Bedingungen jedoch kein Verkäufer, kommt es auch zu keiner Transaktion und die Kauforder wird automatisch nach einer definierten Wartefrist vom System storniert.

Bestimmung der Kurse

Aktien und andere Wertpapiere werden zu veränderlichen Preisen gehandelt. Das liegt am sich ebenfalls veränderlichen Verhältnis aus Kauf- und Verkaufsaufträgen.

Die Aktienkurse sind im Grunde nichts anderes, als die pure Verkörperung des Prinzips aus Angebot und Nachfrage. Die Preisbestimmung erfolgt dabei vollautomatisch (im Parketthandel von Börsenmaklern überwacht) auf Basis der aktuell vorhandenen Handelsaufträge. Sobald sich das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage ändert, wird auch der Kurs angepasst.

Für die Preisbestimmung der meisten deutschen Aktien ist die Leitbörse in Frankfurt zuständig – genauer deren digitale Handelsplattform Xetra, die als Referenzmarkt für deutsche Aktien agiert.

Alle weiteren Regionalbörsen orientieren sich an diesem Referenzkurs, können theoretisch aber auch ganz eigene Preise bestimmen. In der Regel unterscheiden sich die regionalen Aktienkurse aber nur minimal voneinander.

Verschiedene Handelszeiten

Egal ob Parkettbörse, digitaler Handelsplatz oder CFD-Broker: Jede Handelsplattform besitzt ihre eigenen Handelszeiten. Aber warum ist das so?

Die weltweiten Börsen unterliegen eigenen Gesetzen und Regelungen. Dazu zählen auch Vorschriften und kulturelle Einstellungen zu den Arbeitszeiten.

In Deutschland etwa geht der Aktienhandel von Montag bis Freitag meist von 8:00 bis 20:00 Uhr. In anderen Ländern herrscht hingegen eine andere Arbeitsmoral: Asiatische Börsen etwa legen eine ausgedehnte Mittagspause von mindestens einer Stunde ein; Australien hingegen öffnet nur von 10:00 bis 16:00 Uhr und die Börse in Teheran ist mit einer Handelszeit von 9:00 bis 12:30 Uhr noch kürzer geöffnet.

Der genaue Grund für die verschiedenen regionalen und von der Assetklasse abhängigen Öffnungszeiten liegt in der Liquidität. Diese soll so hoch wie möglich sein, um alle Trades ermöglichen zu können. Dies wird aber nur realisiert, wenn es einen begrenzten Handelszeitraum gibt. Bei einer 24h-Börse wäre die notwendige Liquidität nicht gegeben.

Wie funktioniert der Aktienmarkt?

Wie bereits weiter oben erwähnt, ist der Aktienhandel ein Geschäft zwischen Interessenten (Käufer) und Anbietern (Verkäufer und Emittenten). Börsen, Broker und deren elektronische Handelssysteme stellen dafür die passende Handelsumgebung parat.

Wie genau der Wertpapierhandel vonstatten geht, erklären wir kurz in diesem Abschnitt. Betrachten wir dazu die einzelnen Schritte:

1. Aktien, Anleihen und andere Finanzprodukte werden emittiert

Um Aktien und andere Wertpapiere handeln zu können, müssen diese überhaupt einmal auf den Markt gebracht werden.

Unternehmen und staatliche Institutionen treten dafür an eine Börse heran, um eigene Aktien oder Anleihen neu zu zeichnen. Die Börse prüft dabei, ob alle notwendigen Kriterien eingehalten werden, bevor sie neue Wertpapiere zulässt.

Auch Fonds und Derivate wie CFDs müssen zu Beginn veröffentlicht werden. Hierbei wird aber keine Börse benötigt, sondern die Broker und Fondsgesellschaften vermarkten ihre Finanzprodukte selbst.

2. Anleger kaufen die neuen Wertpapiere

Sind neue Aktien und co. im Umlauf, können diese von interessierten Investoren gekauft werden.

Als Inhaber von Aktien kann man sich für Neuzeichnungen registrieren, um vorrangig diese Unternehmensanteile kaufen zu können. Sie benötigen für den Kauf immer ein Aktiendepot bei Ihrer Bank bzw. Broker, um darüber Zugang zu den Börsen und somit zu den Wertpapieren zu erhalten.

Über die Such- und Filterfunktion finden Sie die gewünschten Wertpapiere und können diese Ihrem Portfolio hinzufügen – Gesetz dem Fall, Sie zahlen den verlangten Kurspreis. Über Ihren Broker erhalten Sie zudem Zugriff auf die Wertpapierauswahl der Fondsgesellschaften und anderer Handelspartner.

3. Interessenten und Eigentümer von Wertpapieren handeln untereinander

Sobald die Wertpapiere in Ihrem Portfolio sind, können Sie diese auch jederzeit wieder über einen Börsenplatz oder außerbörslichen Handelsplatz verkaufen.

Es ist dabei egal, ob es sich um Aktien, Anleihen oder Futures handelt. Solange sich ein Käufer findet, können Sie Ihre Wertpapiere zum genannten Kurswert auch an andere private Anleger verkaufen. Dies ist sogar die häufigste Variante im Aktienhandel.

4. Unternehmen kaufen eigene Aktien zurück

Aktien und Anleihen dienen der Kapitalbeschaffung für Unternehmen und Staaten.

Im Zuge einer Neuausrichtung können Unternehmen ihre eigenen Aktien von ihren Aktionären wieder zurückkaufen. Das geschieht entweder normal über die Börse, oder die Unternehmen unterbreiten ein öffentliches Angebot zum Rückkauf.

Oft profitieren Aktionäre vom direkten Angebot, da hier noch ein Aufschlag auf den Kurswert erfolgt.

5. Laufzeit des Wertpapieres ist beendet

Anders sieht es bei zeitlich begrenzten Wertpapieren wie Anleihen oder Termingeschäften aus.

Diese lassen sich zwar bis zum Ablauf normal unter den Investoren handeln, mit dem Fälligkeitszeitpunkt kommt es aber zur Vertragserfüllung. Das bedeutet, dass etwa die zugrundeliegende Ware bei einem Warentermingeschäft zum festgelegten Preis verkauft oder das in die Anleihe investierte Kapital an den Anleger plus Zinsen zurückgezahlt wird.

Video: So funktioniert die Börse (Börse Frankfurt)

(Quelle: Börse Frankfurt Youtube-Kanal, https://www.youtube.com/watch?v=4EUnB2np0FQ)

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