ETF & Steuern: Vorabpauschale, Teilfreistellung & Abgeltungsteuer einfach erklärt
Wie werden ETFs besteuert? Dieser Ratgeber erklärt verständlich Abgeltungsteuer (26,375 %), Teilfreistellung (30 %), Sparer-Pauschbetrag (1.000 €) — und vor allem die oft missverstandene Vorabpauschale. Mit zwei Rechnern: einem ETF-Steuer-Rechner für Verkauf & Ausschüttung und einem Vorabpauschale-Rechner.
ETF-Steuern im Überblick
Das Wichtigste in Kürze
- Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fällt die Abgeltungsteuer von 26,375 % an, ggf. plus Kirchensteuer.
- Dank 30 % Teilfreistellung sinkt der effektive Satz bei Aktien-ETFs auf rund 18,46 %.
- Der Sparer-Pauschbetrag stellt 1.000 € pro Person und Jahr steuerfrei, 2.000 € bei Ehepaaren.
- Bei thesaurierenden ETFs fällt die Vorabpauschale an, eine kleine Vorauszahlung, die beim Verkauf angerechnet wird.
- Deutsche Broker führen die Steuer automatisch ab, bei Auslandsdepots erklären Sie sie selbst.
Die gute Nachricht zuerst: ETF-Steuern sind in Deutschland einfacher, als ihr Ruf vermuten lässt. Seit der Investmentsteuerreform 2018 gilt für alle Fonds dasselbe, transparente System — und Ihr deutscher Broker zieht die Steuer in den meisten Fällen automatisch ab. Dieser Ratgeber zeigt, welche drei Bausteine zusammenspielen, wie die viel diskutierte Vorabpauschale funktioniert und wie Sie mit legalen Mitteln Steuern sparen.
Wie ETFs besteuert werden: drei Bausteine
Ob beim Verkauf, bei Ausschüttungen oder über die Vorabpauschale — am Ende greifen immer dieselben drei Größen ineinander. Diese Zahlen sollten Sie kennen (Stand 2026):
1. Abgeltungsteuer — der Grundsatz
Auf Kapitalerträge — also Kursgewinne beim Verkauf und Ausschüttungen — erhebt der Staat eine pauschale Abgeltungsteuer von 25 %. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf diese Steuer, womit der Satz auf 26,375 % steigt. Wer kirchensteuerpflichtig ist, zahlt zusätzlich 8 % oder 9 % der Abgeltungsteuer — je nach Bundesland.
2. Teilfreistellung — der Rabatt für Aktien-ETFs
Damit Fondsanleger nicht doppelt belastet werden, sind bei Aktien-ETFs 30 % der Erträge von vornherein steuerfrei (Teilfreistellung). Als Aktienfonds gilt ein ETF, der dauerhaft mindestens 51 % in Aktien investiert — das trifft auf nahezu alle klassischen Welt-ETFs zu. Dadurch sinkt der effektive Steuersatz von 26,375 % auf rund 18,46 %. Misch- und Anleihen-ETFs erhalten weniger oder keine Teilfreistellung.
3. Sparer-Pauschbetrag — der Freibetrag
Pro Jahr bleiben 1.000 € Kapitalerträge steuerfrei (Ehepaare: 2.000 €). Diesen Sparer-Pauschbetrag aktivieren Sie mit einem Freistellungsauftrag bei Ihrem Broker — sonst zieht die Bank auch auf die ersten 1.000 € Steuer ab, die Sie sich erst über die Steuererklärung zurückholen müssten.
ETF-Steuer-Rechner: Was bleibt nach Steuern?
Berechnen Sie die Steuer auf Ihren ETF-Gewinn beim Verkauf — inklusive Teilfreistellung, bereits gezahlter Vorabpauschalen und Sparer-Pauschbetrag. So sehen Sie, was netto übrig bleibt.
Vereinfachte Modellrechnung.
Annahmen im Detail
Vereinfachte Beispielrechnung nach deutschem Recht (Stand 2026): Abgeltungsteuer 25 % + 5,5 % Soli (= 26,375 %), Teilfreistellung 30 % für Aktienfonds, Sparer-Pauschbetrag 1.000 €/2.000 €. Ohne Gewähr, keine Steuerberatung.
Die Vorabpauschale — verständlich erklärt
Die Vorabpauschale ist der am häufigsten missverstandene Teil der ETF-Besteuerung — dabei ist sie im Kern simpel: eine kleine jährliche Steuer-Vorauszahlung auf thesaurierende (wiederanlegende) Fonds, die ihre Gewinne nicht ausschütten.
Weil ein thesaurierender ETF keine Ausschüttung auszahlt, an der der Fiskus sofort mitverdienen könnte, holt sich der Staat über die Vorabpauschale jedes Jahr einen Mindestbetrag — und rechnet ihn später beim Verkauf wieder an. So zahlen Sie unterm Strich nicht mehr, sondern nur früher einen kleinen Teil.
- So wird sie berechnet: Basisertrag = Fondswert am Jahresanfang × Basiszins × 0,7. Der Basiszins für 2026 beträgt 3,20 % (Deutsche Bundesbank/BMF). Für 2025 galt 2,53 %.
- Gedeckelt auf den Wertzuwachs: Die Vorabpauschale ist nie höher als die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds im Jahr.
- Null bei Verlustjahren: Fällt der Kurs übers Jahr, beträgt die Vorabpauschale 0 €.
- Teilfreistellung gilt auch hier: Bei Aktien-ETFs sind 30 % der Vorabpauschale steuerfrei.
- Pauschbetrag deckt sie oft ab: Mit Freistellungsauftrag bleibt die Vorabpauschale häufig komplett steuerfrei.
- Automatisch: Ihr deutscher Broker bucht die Steuer Anfang des Folgejahres vom Verrechnungskonto ab — sorgen Sie für ausreichend Deckung.
Vorabpauschale-Rechner 2026
Geben Sie Fondswert, Wertentwicklung und Basiszins ein — der Rechner zeigt Basisertrag, gedeckelte Vorabpauschale und die fällige Steuer.
Vereinfachte Berechnung nach § 18 InvStG mit 26,375 % (ohne Kirchensteuer).
Thesaurierend oder ausschüttend — steuerlich besser?
Seit 2018 sind beide Varianten weitgehend gleichgestellt. Der Unterschied liegt vor allem im Zeitpunkt der Besteuerung, nicht in der Höhe.
Thesaurierend (wiederanlegend)
- Automatischer Zinseszins: Erträge werden direkt wieder angelegt — ohne dass Sie etwas tun.
- Wenig laufende Steuer: Während der Haltedauer fällt nur die meist kleine Vorabpauschale an.
- Vorabpauschale: Sie müssen für Deckung auf dem Verrechnungskonto sorgen.
Ausschüttend (auszahlend)
- Pauschbetrag nutzen: Ausschüttungen füllen den 1.000-€-Freibetrag automatisch — ideal, um ihn nicht verfallen zu lassen.
- Kaum Vorabpauschale: Die laufende Steuer wird direkt auf die Ausschüttung erhoben — eine Vorabpauschale fällt nur an, wenn die Ausschüttungen unter dem Basisertrag liegen.
- Wiederanlage manuell: Ausgeschüttetes müssen Sie selbst neu investieren, um den Zinseszins zu halten.
Unterm Strich: Bei großen, langfristigen Depots verschafft die thesaurierende Variante einen kleinen Steuerstundungs-Vorteil. Solange Ihr Pauschbetrag noch nicht ausgeschöpft ist, kann ein ausschüttender ETF dagegen sinnvoll sein, um die 1.000 € Freibetrag jährlich tatsächlich zu nutzen. Die Renditeunterschiede sind in der Praxis gering — entscheiden Sie nach persönlicher Vorliebe.
Beim Verkauf: FIFO, Verlusttopf & Umschichten
FIFO — zuerst Gekauftes wird zuerst verkauft
Verkaufen Sie nur einen Teil Ihrer ETF-Anteile, gilt das FIFO-Prinzip („first in, first out“): Die zuerst gekauften Anteile gelten als zuerst verkauft. Das ist wichtig, weil die ältesten Anteile meist den größten Kursgewinn — und damit die höchste Steuer — tragen.
Umschichten löst Steuer aus
Ein verbreiteter Irrtum: Wer von einem ETF in einen anderen „umschichtet“, verkauft steuerlich und kauft neu. Auf den dabei realisierten Gewinn fällt sofort Abgeltungsteuer an. Überlegen Sie sich Wechsel daher gut — häufiges Umschichten kostet Rendite.
Verluste verrechnen
Verkaufen Sie mit Verlust, geht dieser nicht verloren: Er landet im Verlustverrechnungstopf „Sonstige“ und wird automatisch mit künftigen Kursgewinnen und Ausschüttungen aus Fonds, Anleihen oder Zinsen verrechnet. Wichtig: Umgekehrt gilt eine Einschränkung — Verluste aus dem Verkauf von Einzelaktien landen im getrennten Aktien-Topf und dürfen nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden.
- Broker-Wechsel? Lassen Sie sich bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung ausstellen, wenn Sie offene Verluste zu einem anderen Depot mitnehmen wollen.
- Mehrere Depots? Verluste bei Bank A und Gewinne bei Bank B gleichen sich nicht automatisch aus — das holen Sie über die Steuererklärung (Anlage KAP).
ETF-Steuern legal senken — 5 Hebel
- Freistellungsauftrag stellenVerteilen Sie Ihre 1.000 € (bzw. 2.000 €) Pauschbetrag auf Ihre Depots — so bleiben Erträge bis zu dieser Höhe sofort steuerfrei.
- Pauschbetrag jährlich ausschöpfenEin nicht genutzter Freibetrag verfällt. Wer ihn nicht voll nutzt, kann gezielt Gewinne realisieren oder einen ausschüttenden ETF beimischen.
- Günstigerprüfung beantragenLiegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 % (z. B. bei niedrigem Einkommen), erstattet das Finanzamt über die Anlage KAP zu viel gezahlte Steuer.
- NV-Bescheinigung nutzenWer dauerhaft sehr wenig verdient (z. B. Kinder mit Junior-Depot), kann mit einer Nichtveranlagungs-Bescheinigung Erträge ganz ohne Steuerabzug kassieren.
- Ehegatten-Freibetrag bündelnMit gemeinsamem Freistellungsauftrag teilen sich Ehepaare flexibel die 2.000 € — auch wenn die Erträge nur bei einem Partner anfallen.
Mythos: „ETFs sind nach 10 Jahren steuerfrei“
Die Haltedauer allein macht Gewinne aus einem ETF nicht steuerfrei. Ein Verkauf kann steuerpflichtige Erträge auslösen. Sparer-Pauschbetrag, Teilfreistellungen und weitere persönliche oder gesetzliche Ausnahmen sind gesondert zu prüfen.
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AP