Ratgeber ETF & Steuern 2026: Vorabpauschale, Teilfreistellung & Abgeltungsteuer verständlich — mit zwei Steuer-Rechnern. Steuer-Rechner öffnen ↓
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ETF & Steuern: Vorabpauschale, Teilfreistellung & Abgeltungsteuer einfach erklärt

Wie werden ETFs besteuert? Dieser Ratgeber erklärt verständlich Abgeltungsteuer (26,375 %), Teilfreistellung (30 %), Sparer-Pauschbetrag (1.000 €) — und vor allem die oft missverstandene Vorabpauschale. Mit zwei Rechnern: einem ETF-Steuer-Rechner für Verkauf & Ausschüttung und einem Vorabpauschale-Rechner.

APAlessia PewnewRedakteurin Aktualisiert: 1. November 2026 12 Min

ETF-Steuern im Überblick

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fällt die Abgeltungsteuer von 26,375 % an, ggf. plus Kirchensteuer.
  • Dank 30 % Teilfreistellung sinkt der effektive Satz bei Aktien-ETFs auf rund 18,46 %.
  • Der Sparer-Pauschbetrag stellt 1.000 € pro Person und Jahr steuerfrei, 2.000 € bei Ehepaaren.
  • Bei thesaurierenden ETFs fällt die Vorabpauschale an, eine kleine Vorauszahlung, die beim Verkauf angerechnet wird.
  • Deutsche Broker führen die Steuer automatisch ab, bei Auslandsdepots erklären Sie sie selbst.

Die gute Nachricht zuerst: ETF-Steuern sind in Deutschland einfacher, als ihr Ruf vermuten lässt. Seit der Investmentsteuerreform 2018 gilt für alle Fonds dasselbe, transparente System — und Ihr deutscher Broker zieht die Steuer in den meisten Fällen automatisch ab. Dieser Ratgeber zeigt, welche drei Bausteine zusammenspielen, wie die viel diskutierte Vorabpauschale funktioniert und wie Sie mit legalen Mitteln Steuern sparen.

Wie ETFs besteuert werden: drei Bausteine

Ob beim Verkauf, bei Ausschüttungen oder über die Vorabpauschale — am Ende greifen immer dieselben drei Größen ineinander. Diese Zahlen sollten Sie kennen (Stand 2026):

Abgeltungsteuer
26,375 %
Teilfreistellung Aktien-ETF
30 %
Sparer-Pauschbetrag
1.000 €
Effektiv auf Aktien-ETF
≈ 18,46 %
Basiszins 2026
3,20 %

1. Abgeltungsteuer — der Grundsatz

Auf Kapitalerträge — also Kursgewinne beim Verkauf und Ausschüttungen — erhebt der Staat eine pauschale Abgeltungsteuer von 25 %. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 % auf diese Steuer, womit der Satz auf 26,375 % steigt. Wer kirchensteuerpflichtig ist, zahlt zusätzlich 8 % oder 9 % der Abgeltungsteuer — je nach Bundesland.

2. Teilfreistellung — der Rabatt für Aktien-ETFs

Damit Fondsanleger nicht doppelt belastet werden, sind bei Aktien-ETFs 30 % der Erträge von vornherein steuerfrei (Teilfreistellung). Als Aktienfonds gilt ein ETF, der dauerhaft mindestens 51 % in Aktien investiert — das trifft auf nahezu alle klassischen Welt-ETFs zu. Dadurch sinkt der effektive Steuersatz von 26,375 % auf rund 18,46 %. Misch- und Anleihen-ETFs erhalten weniger oder keine Teilfreistellung.

3. Sparer-Pauschbetrag — der Freibetrag

Pro Jahr bleiben 1.000 € Kapitalerträge steuerfrei (Ehepaare: 2.000 €). Diesen Sparer-Pauschbetrag aktivieren Sie mit einem Freistellungsauftrag bei Ihrem Broker — sonst zieht die Bank auch auf die ersten 1.000 € Steuer ab, die Sie sich erst über die Steuererklärung zurückholen müssten.

ETF-Steuer-Rechner: Was bleibt nach Steuern?

Berechnen Sie die Steuer auf Ihren ETF-Gewinn beim Verkauf — inklusive Teilfreistellung, bereits gezahlter Vorabpauschalen und Sparer-Pauschbetrag. So sehen Sie, was netto übrig bleibt.

Was bleibt nach Steuern?
Fondsart
Aktien-ETFs (mind. 51 % Aktien) erhalten 30 % Teilfreistellung. Anleihen-/Geldmarkt-ETFs i. d. R. keine.
Summe der über die Jahre schon versteuerten Vorabpauschalen (mindert den Gewinn). 0 €, wenn unbekannt oder ausschüttend.
Bis 1.000 € (Einzelperson) bzw. 2.000 € (Ehepaar) pro Jahr.
Roh-Gewinn
10.000 €
Steuer gesamt
1.583 €
Netto nach Steuern
8.418 €
Roh-Gewinn (Verkauf − Einstand)10.000,00 €
− bereits versteuerte Vorabpauschalen− 0,00 €
− Teilfreistellung (30 %)− 3.000,00 €
= steuerpflichtiger Ertrag7.000,00 €
− Sparer-Pauschbetrag− 1.000,00 €
= zu versteuern6.000,00 €
Steuersatz26,375 %
Steuer1.582,50 €
Lesart: Von 10.000 € Kursgewinn bleiben nach Steuern rund 8.418 € übrig — eine effektive Steuerlast von 15,8 %. Die Teilfreistellung senkt die Last spürbar.

Vereinfachte Modellrechnung.

Annahmen im Detail

Vereinfachte Beispielrechnung nach deutschem Recht (Stand 2026): Abgeltungsteuer 25 % + 5,5 % Soli (= 26,375 %), Teilfreistellung 30 % für Aktienfonds, Sparer-Pauschbetrag 1.000 €/2.000 €. Ohne Gewähr, keine Steuerberatung.

Die Vorabpauschale — verständlich erklärt

Die Vorabpauschale ist der am häufigsten missverstandene Teil der ETF-Besteuerung — dabei ist sie im Kern simpel: eine kleine jährliche Steuer-Vorauszahlung auf thesaurierende (wiederanlegende) Fonds, die ihre Gewinne nicht ausschütten.

Weil ein thesaurierender ETF keine Ausschüttung auszahlt, an der der Fiskus sofort mitverdienen könnte, holt sich der Staat über die Vorabpauschale jedes Jahr einen Mindestbetrag — und rechnet ihn später beim Verkauf wieder an. So zahlen Sie unterm Strich nicht mehr, sondern nur früher einen kleinen Teil.

  • So wird sie berechnet: Basisertrag = Fondswert am Jahresanfang × Basiszins × 0,7. Der Basiszins für 2026 beträgt 3,20 % (Deutsche Bundesbank/BMF). Für 2025 galt 2,53 %.
  • Gedeckelt auf den Wertzuwachs: Die Vorabpauschale ist nie höher als die tatsächliche Wertsteigerung des Fonds im Jahr.
  • Null bei Verlustjahren: Fällt der Kurs übers Jahr, beträgt die Vorabpauschale 0 €.
  • Teilfreistellung gilt auch hier: Bei Aktien-ETFs sind 30 % der Vorabpauschale steuerfrei.
  • Pauschbetrag deckt sie oft ab: Mit Freistellungsauftrag bleibt die Vorabpauschale häufig komplett steuerfrei.
  • Automatisch: Ihr deutscher Broker bucht die Steuer Anfang des Folgejahres vom Verrechnungskonto ab — sorgen Sie für ausreichend Deckung.

Vorabpauschale-Rechner 2026

Geben Sie Fondswert, Wertentwicklung und Basiszins ein — der Rechner zeigt Basisertrag, gedeckelte Vorabpauschale und die fällige Steuer.

Wie hoch ist Ihre Vorabpauschale?
Fondsart
Bei negativer Entwicklung fällt keine Vorabpauschale an.
Amtlicher Basiszins. 2026: 3,20 %, 2025: 2,53 % (zum Vergleichen verschiebbar).
Basisertrag
224,00 €
Vorabpauschale
224,00 €
Steuer (26,375 %)
0,00 €
Fondswert × Basiszins × 0,7224,00 €
Wertsteigerung im Jahr600,00 €
Vorabpauschale (kleinerer Wert)224,00 €
− Teilfreistellung (30 %)− 67,20 €
− Sparer-Pauschbetrag− 156,80 €
= zu versteuern0,00 €
Steuer0,00 €
Lesart: Es greift der volle Basisertrag. Die Steuer von 0,00 € bucht Ihr Broker Anfang des Folgejahres ab; beim Verkauf wird sie auf die Gewinnsteuer angerechnet — Sie zahlen also nicht doppelt. Tipp: Mit ausreichend freiem Sparer-Pauschbetrag bleibt die Vorabpauschale komplett steuerfrei.

Vereinfachte Berechnung nach § 18 InvStG mit 26,375 % (ohne Kirchensteuer).

Thesaurierend oder ausschüttend — steuerlich besser?

Seit 2018 sind beide Varianten weitgehend gleichgestellt. Der Unterschied liegt vor allem im Zeitpunkt der Besteuerung, nicht in der Höhe.

Thesaurierend (wiederanlegend)

Beliebt für den langfristigen Aufbau
  • Automatischer Zinseszins: Erträge werden direkt wieder angelegt — ohne dass Sie etwas tun.
  • Wenig laufende Steuer: Während der Haltedauer fällt nur die meist kleine Vorabpauschale an.
  • Vorabpauschale: Sie müssen für Deckung auf dem Verrechnungskonto sorgen.
Kurz: bequem und steueraufschiebend — der Großteil der Steuer fällt erst beim Verkauf an.

Ausschüttend (auszahlend)

Beliebt für regelmäßiges Einkommen
  • Pauschbetrag nutzen: Ausschüttungen füllen den 1.000-€-Freibetrag automatisch — ideal, um ihn nicht verfallen zu lassen.
  • Kaum Vorabpauschale: Die laufende Steuer wird direkt auf die Ausschüttung erhoben — eine Vorabpauschale fällt nur an, wenn die Ausschüttungen unter dem Basisertrag liegen.
  • Wiederanlage manuell: Ausgeschüttetes müssen Sie selbst neu investieren, um den Zinseszins zu halten.
Kurz: gut, um den Pauschbetrag auszuschöpfen — bei kleinen Depots oft sogar leicht im Vorteil.

Unterm Strich: Bei großen, langfristigen Depots verschafft die thesaurierende Variante einen kleinen Steuerstundungs-Vorteil. Solange Ihr Pauschbetrag noch nicht ausgeschöpft ist, kann ein ausschüttender ETF dagegen sinnvoll sein, um die 1.000 € Freibetrag jährlich tatsächlich zu nutzen. Die Renditeunterschiede sind in der Praxis gering — entscheiden Sie nach persönlicher Vorliebe.

Beim Verkauf: FIFO, Verlusttopf & Umschichten

FIFO — zuerst Gekauftes wird zuerst verkauft

Verkaufen Sie nur einen Teil Ihrer ETF-Anteile, gilt das FIFO-Prinzip („first in, first out“): Die zuerst gekauften Anteile gelten als zuerst verkauft. Das ist wichtig, weil die ältesten Anteile meist den größten Kursgewinn — und damit die höchste Steuer — tragen.

Umschichten löst Steuer aus

Ein verbreiteter Irrtum: Wer von einem ETF in einen anderen „umschichtet“, verkauft steuerlich und kauft neu. Auf den dabei realisierten Gewinn fällt sofort Abgeltungsteuer an. Überlegen Sie sich Wechsel daher gut — häufiges Umschichten kostet Rendite.

Verluste verrechnen

Verkaufen Sie mit Verlust, geht dieser nicht verloren: Er landet im Verlustverrechnungstopf „Sonstige“ und wird automatisch mit künftigen Kursgewinnen und Ausschüttungen aus Fonds, Anleihen oder Zinsen verrechnet. Wichtig: Umgekehrt gilt eine Einschränkung — Verluste aus dem Verkauf von Einzelaktien landen im getrennten Aktien-Topf und dürfen nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden.

  • Broker-Wechsel? Lassen Sie sich bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung ausstellen, wenn Sie offene Verluste zu einem anderen Depot mitnehmen wollen.
  • Mehrere Depots? Verluste bei Bank A und Gewinne bei Bank B gleichen sich nicht automatisch aus — das holen Sie über die Steuererklärung (Anlage KAP).

ETF-Steuern legal senken — 5 Hebel

  1. Freistellungsauftrag stellenVerteilen Sie Ihre 1.000 € (bzw. 2.000 €) Pauschbetrag auf Ihre Depots — so bleiben Erträge bis zu dieser Höhe sofort steuerfrei.
  2. Pauschbetrag jährlich ausschöpfenEin nicht genutzter Freibetrag verfällt. Wer ihn nicht voll nutzt, kann gezielt Gewinne realisieren oder einen ausschüttenden ETF beimischen.
  3. Günstigerprüfung beantragenLiegt Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 % (z. B. bei niedrigem Einkommen), erstattet das Finanzamt über die Anlage KAP zu viel gezahlte Steuer.
  4. NV-Bescheinigung nutzenWer dauerhaft sehr wenig verdient (z. B. Kinder mit Junior-Depot), kann mit einer Nichtveranlagungs-Bescheinigung Erträge ganz ohne Steuerabzug kassieren.
  5. Ehegatten-Freibetrag bündelnMit gemeinsamem Freistellungsauftrag teilen sich Ehepaare flexibel die 2.000 € — auch wenn die Erträge nur bei einem Partner anfallen.

Mythos: „ETFs sind nach 10 Jahren steuerfrei“

Die Haltedauer allein macht Gewinne aus einem ETF nicht steuerfrei. Ein Verkauf kann steuerpflichtige Erträge auslösen. Sparer-Pauschbetrag, Teilfreistellungen und weitere persönliche oder gesetzliche Ausnahmen sind gesondert zu prüfen.

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Häufige Fragen zu ETF-Steuern

Wie werden ETFs in Deutschland versteuert?
Auf Kursgewinne und Ausschüttungen fällt die Abgeltungsteuer von 26,375 % an (25 % plus Solidaritätszuschlag, ggf. plus Kirchensteuer). Bei Aktien-ETFs sind 30 % der Erträge durch die Teilfreistellung steuerfrei, wodurch der effektive Satz auf rund 18,46 % sinkt. Pro Jahr bleiben zudem 1.000 € (Ehepaare 2.000 €) über den Sparer-Pauschbetrag steuerfrei. Den Abzug erledigt ein deutscher Broker automatisch.
Was ist die Vorabpauschale und wie hoch ist sie 2026?
Die Vorabpauschale ist eine jährliche Steuer-Vorauszahlung auf thesaurierende Fonds. Sie berechnet sich als Fondswert am Jahresanfang × Basiszins × 0,7 und ist auf die tatsächliche Wertsteigerung gedeckelt. Der Basiszins für 2026 beträgt 3,20 % (für 2025 waren es 2,53 %). Bei Verlustjahren fällt keine Vorabpauschale an. Die gezahlte Steuer wird beim späteren Verkauf angerechnet, sodass keine Doppelbesteuerung entsteht.
Was bedeutet Teilfreistellung bei ETFs?
Bei Aktien-ETFs (mindestens 51 % Aktienanteil) sind 30 % der Erträge von der Steuer freigestellt, um eine Doppelbelastung auf Fondsebene auszugleichen. Dadurch werden statt 26,375 % effektiv nur rund 18,46 % fällig. Misch- und Anleihen-ETFs erhalten eine geringere oder gar keine Teilfreistellung.
Sind thesaurierende oder ausschüttende ETFs steuerlich besser?
Seit der Reform 2018 sind beide weitgehend gleichgestellt — der Unterschied liegt im Zeitpunkt. Thesaurierende ETFs verschieben den Großteil der Steuer auf den Verkauf (nur die kleine Vorabpauschale fällt laufend an) und eignen sich gut für den langfristigen Aufbau. Ausschüttende ETFs helfen, den Sparer-Pauschbetrag jährlich zu nutzen. Die Renditeunterschiede sind in der Praxis gering.
Sind ETFs nach 10 Jahren steuerfrei?
Die Haltedauer allein macht ETF-Gewinne nicht steuerfrei. Bei einem Verkauf können Steuern anfallen; Sparer-Pauschbetrag, Teilfreistellungen und weitere persönliche oder gesetzliche Ausnahmen sind gesondert zu prüfen.
Muss ich ETF-Erträge in der Steuererklärung angeben?
Bei einem deutschen Broker zieht die Bank die Steuer automatisch ab — eine Angabe ist dann nicht zwingend nötig. Die Anlage KAP lohnt sich aber, wenn Sie ein Auslandsdepot haben, den Freistellungsauftrag nicht voll genutzt haben, Verluste über mehrere Banken verrechnen, die Günstigerprüfung wollen oder Kirchensteuer nachzahlen müssen.

Wichtigste Quellen

6 wichtige Quellen anzeigen
Stand: 11.10.2026. Die Quellen wurden für die redaktionelle Einordnung von Abgeltungsteuer, Sparer-Pauschbetrag, Teilfreistellung, Vorabpauschale, Verlustverrechnung und ETF-Erträgen herangezogen. Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Steuerberatung; maßgeblich sind die jeweils aktuellen gesetzlichen Regelungen, BMF-Schreiben und die steuerliche Situation des Anlegers.