Aktiendepot absichern – die besten Strategien gegen Kurseinbrüche

0 49

Der globale Wirtschaftsmotor gerät zusehends ins Stottern. Starke Kursschwankungen bis hin zu einem echten Bärenmarkt, der sich 2018 entwickelte, sind die Konsequenz. Wie Sie auch als privater Anleger vor Kursschwankungen gewappnet sind und kurz- und langfristig sicher traden können, erläutern wir Ihnen in diesem Aktiendepot Absichern Ratgeber.

Das Problem mit Aktien

Wenn Sie in Aktien investieren, spekulieren Sie ein kontinuierliches Wachstum des Unternehmens und somit auf steigende Kurse (Long-Positionen). Langfristig mag das oft der Fall sein, doch kurz- oder mittelfristig sind Aktien Kursschwankungen unterworfen. Insbesondere, wenn Sie nur Aktien in Ihrem kostenlosen Depot halten, trifft Sie ein stagnierender oder gar fallender Markt besonders hart.

Kursschwankungen sind Alltag an den Börsen und werden über kurz oder lang immer wieder überwunden. Doch was passiert, wenn ein Bärenmarkt eintrifft – wenn also der gesamte Aktienmarkt über einen langen Zeitraum nur noch Verluste zu verzeichnen hat? Wir klären auf und zeigen Ihnen einige Strategien auf, mit denen Sie sich vor Verlusten schützen können.

Unsichere Zeiten – schwierige Märkte

Der Welthandel wird zunehmend komplizierter. Handelskriege, Umweltkatastrophen, der Brexit oder Vertrauensprobleme in der Automobilindustrie – alle Ereignisse wirken sich negativ auf die globalen Finanzmärkte aus. Durch die so entstehende Unsicherheit stagniert das Wirtschaftswachstum weltweit. Selbst das globale Zugpferd China musste seine Wachstumsprognosen senken.

Das Jahr 2018 zeigt sehr gut, was ein solcher Bärenmarkt für Privatanleger bedeutet: Fast die Hälfte davon machte 2018 Verluste. Eine Umfrage unter 4.300 Privatanlegern hatte 2018 ergeben, dass 62,7% aller Depots seit Anfang des Jahres Verluste erlitten hatten. Darunter fast 50% mit Verlusten über 6%. Dass es auch anders geht, zeigen die 30,5%, die Gewinne bis über 6% erzielen konnten. Doch das blieb eher die Ausnahme.

Wie kann man sich gegen hohe Verluste schützen?

Ist der Wirtschaftsabschwung erst einmal da, bieten sich Ihnen nur noch wenige Alternativen, um Ihre Rendite zu sichern. Mit einem Depot Vergleich können Sie das beste Depot für sich ermitteln und mit niedrigen Konditionen zumindest laufende Kosten senken. Besser ist, bereits vorher gegen eine mögliche Katastrophe vorzubeugen.

Wollen Sie sich früh gegen einen Bärenmarkt schützen, müssen Sie rechtzeitig kritische Marktentwicklungen erkennen, Kurse auf Aus- und Wiedereinstiegschancen analysieren und schnell mit passenden Strategien reagieren können. Hierfür gibt es eine Reihe systematischer Sicherungsverfahren, die sich in 5 Kategorien unterteilen lassen:

  • 1. Risikostreuung: Ein breites Portfolio verteilt das Verlustrisiko auf mehrere Säulen. Stürzt eine Säule ein, tragen die Verbliebenen Ihr Portfolio weiterhin zuverlässig.
  • 2. Entgegengesetzte Orders: Kursverluste etwa lassen sich gut mit Optionen abfedern, es können aber auch Futures, CFDs oder Zertifikate genutzt werden.
  • 3. Loss-Protection über Orderarten: Auf der anderen Seite können Sie mit intelligent gesetzten Orders Verluste auf ein Minimum begrenzen oder sogar gänzlich vermeiden.
  • 4. Kauf bzw. Verkauf: Je nachdem, wie viel Vertrauen Sie in eine Aktie setzen, können Sie bei einer Down-Phase diese Aktie weiter und zu günstigen Preisen hinzukaufen. Erwarten Sie in absehbarer Zeit hingegen keine Besserung, kann ein Verkauf letzte Gewinne einstreichen.
  • 5. Oder Sie unternehmen – nichts: Auch das Nichtstun kann eine erfolgreiche Strategie sein, um einen Bärenmarkt zu überstehen. Vor allem, wenn man es nicht eilig hat.

Welche Sicherungsverfahren konkret möglich sind, und welche Vor- und Nachteile sie jeweils mit sich bringen, erläutern wir Ihnen in der Folgenden Aufstellung.

Die besten 9 Strategien um ihr Aktiendepot abzusichern

Strategie 1: Abwarten

Wer einen langen Atem besitzt und auf lange Sicht nicht von Renditen abhängt, kann Kursschwankungen und fallende Kurse einfach aussitzen. Vor allem, wenn Sie in das entsprechende Unternehmen Vertrauen haben, spricht nichts für einen etwaigen Verkauf, denn auf lange Sicht erholen sich Aktienkurse wieder und können nach mehreren Jahren angenehme Gewinne einfahren.

Und: Selbst bei einem akuten Kursverfall besteht der erlittene Verlust nur auf dem Papier. Kapital verlieren Sie erst, wenn Sie durch zu frühen Aktionismus Ihre Wertpapiere unter dem Einstandswert verkaufen.

Strategie 2: Limit-Orders

Es gibt über 50 Orderoptionen und die Möglichkeit, diese miteinander zu kombinieren. Haben Sie einen Broker, der dies erlaubt, können Sie jede Order fein justieren und perfekt an die aktuellen Marktbedingungen abstimmen.

Eine sehr beliebte Variante ist dabei die Stop-Loss-Order. Dabei wird eine Aktie automatisch verkauft, sobald der Kurs einen definierten Kurswert unterschreitet. Diese Form ist sozusagen eine spezielle Limit-Order, die vor zu hohen Verlusten schützt. In der Regel wird das Limit bei 15 bis 20 % unter dem aktuellen Kurswert gesetzt. Für besonders risikoreiche Orders sind engere Limits empfehlenswert.

Analog dazu können Sie bei weniger riskanten Wertpapieren wie dem DAX Stopps bei einem größeren Abstand definieren. Mit Stop-Loss können Sie auch Ihre bereits erwirtschafteten Gewinne schützen. Dafür eignet sich die die Trailing Stop-Loss Order, die parallel zum richtigen Kurs mitwandert und einen Verkauf auslöst, sobald der Kurs wieder im Abwärtstrend ist.

Tipp: Besonders bei gehebelten Produkten und solchen, die extremen Kursschwankungen unterliegen, sind Limits in beide Richtungen absolut notwendig. Setzen Sie daher Stops gegen Verluste sowie Limits, um garantierte Gewinne einzustreichen.

Strategie 3: Diversifikation

Durch die Investition in verschiedene Märkte und Staaten kann das Risiko besser verteilt werden. Eine weitere Absicherung ist in diesem Fall die Hinzunahme von sicheren Anlagen als Puffer. Diese Asset-Allokation ist eine Form der langfristigen Anlage und damit relativ unabhängig von der aktuellen Marktsituation.

Tipp: Wählen Sie eine für Sie interessante und nachvollziehbare Branche, wie Spielentwickler, bargeldlose Zahlungsmethoden oder Erzeugung von Wasserenergie. Nur so behalten Sie den Überblick und können schneller richtig entscheiden, sollten Veränderungen am Markt eintreffen.

Strategie 4: Nachkaufen

Sind Sie von einer Aktie trotz sinkender Kurse überzeugt, kann es sich für Sie lohnen, bei einem Niedrigkurs weitere Aktien zu kaufen. Dadurch erreichen Sie zwar keine Kompensation von eventuellen Verlusten, können aber Ihre Rendite verbessern, sobald sich der Kurs wieder erholt.

Wichtig: Diese Strategie birgt allerdings die Gefahr, dass das Verlustrisiko weiter erhöht und keine sichernde Allokation erreicht wird.

Strategie 5: Kompletter Ausverkauf

Erwarten Sie hingegen, dass sich der Markt in absehbarer Zeit nicht mehr erholt, kann ein totaler Rausverkauf vor bitteren Verlusten schützen. Doch das ist ein radikaler Schritt, der oft durch hohe Transaktionskosten belastet wird.

Der Aktienverkauf ist vor allem bei jungen Tradern recht beliebt, die schnell noch Gewinne abgreifen wollen. Es ist ein radikaler Schritt, der eine nur verhältnismäßig geringe Rendite verspricht. Wenn längerfristig ein Bärenmarkt zu erwarten ist oder dringend Kapital benötigt wird, kann dies dennoch sinnvoll sein.

Tipp: Denken Sie dabei auch immer an einen möglichen Wiedereintritt in den Markt. Orientieren Sie sich bei der Entscheidung, wann ein Wiedereintritt sinnvoll ist, an Fundamentaldaten und Chartanalysen sowie diversen Analysen aus der Social Trading Community.

Strategie 6: Umschichtung und Teilverkäufe

Um sich an die Marktentwicklung anzupassen, kann es sinnvoll sein, sich von einigen Wertpapieren zu trennen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn Sie bestimmte Branchen oder einzelne Aktien überbewertet haben. Selektive Verkäufe ermöglichen dabei immer noch Gewinne, sollte es an den Börsen zu turbulent zugehen. Defensive Titel (Wertpapiere aus Gesundheit, Telekommunikation oder Lebensmittel), die relativ unabhängig vom Markt immer gekauft werden, können bei einem rückläufigen Markt das Depot absichern.

Tipp: Achten Sie auf die Historie einer Aktie. Die Kursentwicklung sollte sich über mehrere Jahre stabil entwickeln und eine gute Bilanz vorzeigen.

Strategie 7: Gegengeschäfte

Gegenpositionen sind nicht nur im CFD-Handel eine beliebte Strategie, um sich vor plötzlichen Kursschwankungen abzusichern. Diese Variante ist vielmehr eine klassische Form der Depot Absicherung.

Haben Sie in Aktien oder Indizes investiert, können Sie mit Verkaufsoptionen (Optionsscheine und Futures) sich das Recht erkaufen, zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. innerhalb der Laufzeit den Basiswert zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Meistens ist dies der aktuelle Preis. Dadurch kann ein Kursverfall ausgeglichen werden. Solche Put-Optionen unterliegen der Marktschwankungsbreite und können dadurch schnell an Wert verlieren. Diese Instrumente eignen sich daher eher zur kurzfristigen Absicherung.

Beispiel für Put-Optionen:

Sie kaufen 100 Stück einer Aktie für je 50 EUR. Gleichzeitig erwerben Sie auf diese Aktie eine Put-Option mit einer Laufzeit von 2 Jahren und einem Basispreis von 45 EUR für 3,50 EUR, also 350 EUR je Kontrakt mit 100 Puts. Mit dieser Put-Option erhalten Sie das Recht, innerhalb der zwei Jahre je Kontrakt 100 Aktien für je 45 EUR zu verkaufen. Nach einem Jahr fällt der Aktienkurs auf 25 EUR. Sie können nun von Ihrem Recht durch die Puts gebrauch machen, die Aktie für 25 EUR kaufen und sofort 100 Aktien zu je 45 EUR wieder verkaufen. Ein Vorteil von 20 EUR je Anteil.

Hinweis: Da es sich bei beiden Varianten um gehebelte Produkte handelt, sind allerdings auch sehr hohe Verluste bis hin zum Totalverlust möglich. Sie sollten daher das Prinzip von Hebelprodukten verstehen und bestenfalls einschlägige Erfahrungen mit solchen Wertpapieren besitzen.

Strategie 8: Passive Indexfonds

Sogenannte Short-ETFs können viele Einzelaktien gleichzeitig absichern. Vorteil hierbei ist, dass Short-ETFs als Sondervermögen behandelt werden und somit gesetzlich geschützt sind.

Achtung: Doch auch hier besteht ein Verlustrisiko, da Short-Indexfonds nur für einen Tag Kursbewegungen exakt spiegeln. Über mehrere Tage hinweg können teils große Unterschiede entstehen.

Strategie 9: Spekulative Zertifikate

Über spekulative Zertifikate können Sie einen Teil oder das gesamte Portfolio abpuffern. Discount- und Reverse-Bonus-Zertifikate etwa eignen sich hervorragend, um auch in Seitwärtsphasen attraktive Gewinne zu erzielen.

  • Discount-Zertifikate garantieren eine Mindestrendite, sofern der Markt nicht einen gewählten Basiswert durchbricht.
  • Reverse-Bonus-Zertifikate hingegen zahlen einen festen Bonus aus, sofern der Kurs eine festgelegte Barriere niemals berührt oder überschreitet.

Sie schützen innerhalb eines definierten Rahmens vor Kursverlusten und ermöglichen dabei gute Renditen, wenn Märkte stagnieren oder nur leicht steigen. Selbst bei leichten Kursverlusten können Sie Gewinne mitnehmen.

Beispiel für Discount-Zertifikat:

Eine Aktie kostet regulär 15 EUR, ein Discount-Zertifikat darauf mit einem Cap („Deckel“ bzw. Basiswert) von 16 EUR aber nur 14 EUR. Am Ende der Laufzeit wird der Gegenwert der Aktie ausgezahlt. Dieser beträgt in unserem Beispiel 15,50 EUR, ein Vorteil also von 1,50 EUR. Wäre der Kurs allerding über 16 EUR gestiegen, hätten Sie an diesem Kursgewinn nicht mehr partizipieren können, da der mögliche Gewinn bei 16 EUR gedeckelt ist.

Hinweis: Da Discount- und andere spekulative Zertifikate außerbörslich gehandelt werden, besteht immer auch das Emittentenrisiko, sollte das Finanzinstitut insolvent gehen.

Zusammenfassung

Kursschwankungen gehören zum Börsenalltag und gefährden in der Regel nicht Ihre langfristigen Renditen. Sollte der Markt allerdings längerfristig abrutschen und sich wohlmöglich zu einem Bärenmarkt entwickeln, bieten sich Ihnen einige Strategien, um über diese schwierige Zeit dennoch Gewinne zu erzielen.

Neben einer langfristigen Planung und festen Aus- und wieder Eintrittsszenarien garantieren vor allem intelligent gesetzten Limits und gegengesetzte Put-Optionen sowie spekulative Zertifikate weitere Renditen und ein geringeres Verlustrisiko. Für welche Strategie Sie sich letztendlich entscheiden, hängt ganz von Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer Geduld ab.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.