Geldanlagen in Krisenzeiten – 5 Lehren aus der Corona-Pandemie

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Die Corona-Pandemie hat wie keine andere Krise die Finanzmärkte kräftig durcheinander geschüttelt. Portfolios verloren im März 2020 praktisch über Nacht den Großteil ihres Wertes, Rohöl fiel kurzfristig in den negativen Bereich und sogar die als krisensicher beworbenen ETF-Sparpläne der Robo-Advisors erlitten hohe Verluste. Viele Anleger reagierten panisch auf diese Veränderungen, andere nutzten die Gunst der Stunde, um erstmals in den Wertpapiermarkt einzusteigen.

Corona offenbarte erbarmungslos, wie empfindlich die Börsen auf globale Krisen reagieren und welche Schäden Portfolios davontragen können – und wie schnell sich die Märkte wieder erholen können.

Wir zeigen Ihnen in diesem Ratgeber, welche Lehren wir für die Zukunft aus der Pandemie ziehen sollten und wie wir uns vor der nächsten Krise besser wappnen können.

Inhaltsverzeichnis: Geldanlagen in Krisenzeiten

Lehre Nr. 1: Globalisierung zwingt zur Diversifikation

Mit der ersten Welle und den ersten Lockdowns fuhr auch ein Großteil der weltweiten Industrie herunter.

Mit der urplötzlich weggefallenen Nachfrage nach fast allen Rohstoffen und Zulieferprodukten brachen in einer Kettenreaktion alle Börsenmärkte von Ende Februar bis Mitte März 2020 in sich zusammen. Und auch als besonders stabil gehaltene Aktien wie auch Rohstoffe und konservativ aufgestellte ETF-Portfolios bekannter Robo-Advisors konnten sich diesem Sog nicht erwehren. Sogar der Goldkurs brach kurzfristig ein, da viele Investoren ihre Goldanlagen als Ausgleich zu ihren Portfolio-Verlusten verkaufen mussten.

Corona zeigte, wie stark die globalen Märkte miteinander verwoben sind und mit welchem Ausmaß eine negative Spirale alle Geldanlagen mit sich nach unten ziehen kann.

Ein absolut krisensicheres Portfolio kann es nie geben – auch da jede Krise verschiedene Sektoren besonders hart treffen (Dotcom-Blase Anfang der 2000er, Immobilienblase und Finanzkrise zwischen 2007 und 2008, oder Eurokrise in 2009).

Ein breit aufgestelltes Portfolio mit Wertpapieren aus den verschiedensten Ländern und Sektoren ist daher der beste Schutz, um plötzliche Verluste in einem Bereich abzufedern.

Es sollte sich dabei um einen gesunden Mix aus ETFs (auf den MSCI World oder Länder-Indizes wie den DAX) Einzelaktien von über Jahrzehnte erfolgreicher Unternehmen (wie Coca Cola, VW oder Samsung), Anleihen und interessanter Nischenmärkte wie regenerative Energien oder Cannabis.

Die Satellite-Core-Strategie etwa hat sich für die Gewichtung der einzelnen Wertpapiere über die Jahre bewährt.

Lehre Nr. 2: Nur Geduld!

Fast alle Wertpapiere haben zu Beginn der Corona-Pandemie extrem an Wert verloren. Doch bereits nach wenigen Monaten konnten sich die meisten Unternehmen und Indizes wieder erholen – und brachen auch in den folgenden Corona-Wellen nicht wieder nennenswert ein.

Der DAX durchbrach sogar sein vorheriges Allzeithoch und auch der Goldwert näherte sich seinem Höchststand wieder an. Woran liegt das?

Aktien werden trotz zunehmender Trading-Algorithmen immer emotional gehandelt. Daher kommt es bei Krisen immer wieder zu Panikverkäufen, die die Kurse erst recht absacken lassen.

Haben sich die Menschen erst an die neue Situation gewöhnt und blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft, kaufen sie Aktien wieder nach. Hinzu kommen Nutznießer, die in den extrem niedrigen Aktienkursen Geschäfte wittern und großzügig investieren.

Denken Sie immer daran: Der finanzielle Verlust kommt erst mit dem Verkauf Ihrer Wertpapiere. Solange Sie sie im Portfolio halten, können Sie auf eine Erholung hoffen und Aktien sogar besonders günstig nachkaufen. Haben Sie einfach Geduld!

Lehre Nr. 3: Aggressive Portfolios erleiden die größten Verluste

Ein Blick auf die Jahresberichte der Robo-Advisors zu 2020 zeigt es eindeutig: Je aggressiver ein Portfolio aufgestellt ist, desto schneller verliert es in der Krise an Wert (nachzulesen etwa bei Scalable Capital oder Ginmon).

Ein hohes Risiko verspricht über einen längeren Zeitraum auch wesentlich höhere Renditen. Im Krisenfall jedoch bricht der Portfoliowert entsprechend schneller ein.

Die Berichte zu den verschiedenen Risikokategorien der digitalen Vermögensverwalter zeigen auch, dass konservative Portfolios sich schneller von ihren Verlusten erholen – danach aber auch langsamer an Wert zulegen.

Welches Risiko Sie eingehen sollten, hängt besonders von Ihrem Anlagehorizont ab. Je länger Sie bereits sind, Ihre Wertpapiere zu halten, desto eher können Sie eine aggressive Strategie verfolgen und langfristig auf gute Renditen hoffen. Kurzfristige Anlagen mit hohem Risiko sind hingegen rein spekulativ.

Lehre Nr. 4: Gewinner in der Krise - Verlierer danach?

Gewisse Branchen konnten sich nach dem ersten Schock im März 2020 sehr schnell wieder erholen oder sogar erst dann kräftig an Wert zulegen. Zu den großen Gewinnern zählen etwa der Marktplatzgigant Amazon, der Google-Mutterkonzern Alphabet Inc. oder die Musik Streaming-Plattform Spotify.

Alle Wertpapiere entwickelten sich auch nach dem großen Crash hervorragend und konnten ihre hohen Kurse bisher halten.

Generell profitieren von der Corona-Pandemie vor allem Anbieter digitaler Alltags- und Berufslösungen von Essens-Lieferdiensten, über Online-Marktplätze bis hin zu Messenger- und Videokonferenz-Software.

Für einige Pandemie-Gewinner ging es aber rasch wieder bergab. Vor allem Lieferdienste und Anbieter von Nischenprodukten wie Teamspeak oder Just Eat Takeaway (Lieferando) erreichten Mitte 2020 ihr Allzeithoch und vielen kurz darauf auf ihre Vorkrisenwerte zurück.

Tipp: Hier zeigt sich wieder, dass Sie vor allem bereits langfristig erfolgreiche Unternehmen in Ihr Portfolio aufnehmen sollten, die bestenfalls selbst mit einer breiten Produktpalette am Markt vertreten sind.

Hinweis: Krisengewinner können mit der Markterholung und Alltags-Normalisierung schnell an Bedeutung verlieren. Und den richtigen Zeitpunkt für den kurzfristigen Kauf und Verkauf kann niemand mit Sicherheit bestimmen.

Lehre Nr. 5: Der Markt hat sich gewandelt

Im Zuge von Corona zeigte sich vor allem in den USA ein interessanter Trend, der die Börsen weltweit plötzlich und drastisch veränderte. US-Bürger erhielten einen sogenannten Stimulus Check in Höhe von 1.200 USD im April 2020 und nochmals 600 USD im Dezember 2020 bzw. Januar 2021.

Gedacht waren diese finanziellen Unterstützungen, um Gehaltsausfälle auszugleichen. Viele Empfänger dieser Stimulus Checks nutzten sie aber nicht zum Bezahlen von alltäglichen Rechnungen, sondern wollten damit günstig in den angeschlagenen Aktienmarkt einsteigen.

Das führte zu gleich zwei interessanten Phänomenen:

1. Der GameStop / Robinhood Vorfall

Gamestop als Spiele-An- und Verkauf ist auch hierzulande vielen noch bekannt. Das Unternehmen war in Ende 2020 sehr angeschlagen, woraufhin einige Hedgefonds mit Short-Positionen auf eine baldige Insolvenz wetteten.

Viele Privatinvestoren – oft selbst ehemalige Kunden von GameStop – wollten dieses typische Wallstreet-Gebaren nicht hinnehmen und schlossen sich im Reddit-Forum Wallstreetbets zusammen. Auch befeuert durch Tweets von Elon Musk („Gamestonk!!“) und Chamath Palihapitiya („We bought Feb $115 calls on GME this morning“) kauften sie in Massen GameStop-Aktien, woraufhin der Kurswert innerhalb weniger Stunden über 1.600 % zulegte.

Der in den USA bekannte – und mit einem Hedgefonds gegen GME verbandelte – Online-Broker Robinhood untersagte daraufhin den Handel mit der GameStop-Aktie und schloss laut Kundenaussagen sogar eigenmächtig offene Positionen.

Heute muss sich Robinhood vor Gericht gegen den Vorwurf der Marktmanipulation verantworten. Ein in London ansässiger Hedgefonds, der mit Leerverkäufen auf den Preisverfall setzte, musste jetzt sogar mit hohen Verlusten schließen.

2. Die plötzlich sehr beliebte VW-Aktie

Mit den Stimulus Checks agierten plötzlich sehr viele unerfahrene Privatinvestoren im Aktienmarkt. Auf der Suche nach passenden Wertpapieren bestimmt auch das Thema Elektromobilität die Kaufentscheidung.

Viele US-Amerikaner wollen in neue Technologien investieren, trauen aber wohl dem heimischen Konzern Tesla nicht den Alleinsieg zu. So sucht man vielversprechende Alternativen und hat ihn beim deutschen Konkurrenten Volkswagen gefunden.

Innerhalb kürzester Zeit sprang die Stammaktie auf über 800 EUR und überholte damit sogar die DAX-notierte Vorzugsaktie. Das liegt daran, dass an den US-Börsen die VW-Aktie nicht direkt gehandelt werden kann, sondern nur über ADRs (Hinterlegungsscheine auf die Stammaktie).

Immer mehr miteinander vernetzte private Kleinanleger drängen auf den Aktienmarkt. Dieses Phänomen beschränkt sich nicht nur auf die USA, sondern betrifft alle Industrieländer.

Damit wird der Markt nicht mehr allein von milliardenschweren Investoren bestimmt. Vielmehr entwickelt sich langsam ein neues Gleichgewicht, in dem auch Privatinvestoren die Kurse gezielt beeinflussen können.

Zusammenfassung

Die Corona-Pandemie hat uns nachdrücklich die Schwachstellen im Aktiengeschäft aufgezeigt.

Die Globalisierung und immer stärkere Vernetzung der einzelnen Märkte bietet auch privaten Kleininvestoren viele interessante Anlagemöglichkeiten. Der Boom von ETFs, Onlinebrokern und Börsenforen befeuert diese Entwicklung zusätzlich.

Dafür sind die Sektoren stärker als früher voneinander abhängig, wirtschaftliche Krisen können so schneller von einen zum anderen Markt überspringen. Zudem agieren Privatanleger stärker kollektiv und sind nicht mehr auf die Beratung von professionellen Börsenmaklern angewiesen. Das schafft zum einen ein neues Marktgleichgewicht, macht einzelne Kursverläufe aber auch unvorhersehbarer.

Das perfekte Portfolio, welches alle Risikofaktoren beachtet und gegen jede Eventualität gewappnet ist, gibt es nicht. Doch Sie können Ihr Aktiendepot krisensicherer gestalten: Mit einem global aufgestellten und in mehrere Branchen diversifizierten Portfolio, mit dem Wissen über marktpsychologisch bedingte Kurseinbrüche und -erholungen, und mit der Geduld, um diese temporären Veränderungen ohne Panik auszusitzen.

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